19. November 2021

Einsatz für Schöpfung und Evangelium: Gabriele und Ulrich Kräuter neues Pfarrerehepaar in St. Wendel


„Kräuter-Garten“ steht auf dem Schild an der Tür zum St. Wendeler Pfarrhaus, gleich neben der Evangelischen Kindertagesstätte. Seit September wohnen dort Gabriele und Ulrich Kräuter, die als Pfarrerehepaar das Team der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde St. Wendel verstärken, mit ihrer Familie.

Fast wären sie gar nicht ins Saarland gekommen. Jedes Mal, wenn sie nach St. Wendel fuhren, ob zum Vorstellungsgespräch oder zum Probegottesdienst, spielte das Wetter verrückt. Schnee im März, Starkregen im Sommer: ein schlechtes Omen. Die kleine Stadt an der Blies wirkte trostlos und leer. Und doch entschieden sie sich für das Abenteuer im Süden der Landeskirche.

„Letztlich war es eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“, begründet Gabriele Kräuter die Entscheidung. Nicht zuletzt die freundliche Atmosphäre hat den Unterschied gemacht. „Wir saßen beim Bewerbungsgespräch wie bei einer Hochzeit vor dem Altar, wegen den Abständen, aber alle waren so nett und lieb“, erinnert sie sich ans Frühjahr zurück. Und vor dem Probegottesdienst seien sie darüber informiert worden, sie bräuchten ja nichts zu essen mitzubringen, für alles sei gesorgt.

Die Kräuters, beide Jahrgang 1968, lernten sich zu Beginn ihres Theologie-Studiums in Göttingen kennen. Sie blieben zusammen, über weitere Studien in Bochum und Wuppertal, die „getrennte“ praktische Ausbildung in verschiedenen Gemeinden und schließlich in einer Pfarrstelle im Oberbergischen Land.

Wenn man mit ihnen spricht, merkt man: Sie sind auf einer Wellenlänge, arbeiten gerne im Team. Das ist auch notwendig, denn wie zuvor in ihrer alten Kirchengemeinde im Oberbergischen wird sich das Ehepaar Kräuter auch im Saarland eine Pfarrstelle teilen. Schließlich sind da noch die Kinder, Sohn Johannes (16), die Zwillinge Karla und Luise (beide 13) sowie die beiden erwachsenen Töchter, die in Trier wohnen.

Die Arbeit teilt das Pfarrerehepaar – er Gremienleitung und Finanzen, sie die Begleitung der Eine-Welt-Arbeit. Den Konfirmandenunterricht gestalten sie gemeinsam und auch Ideen zum Aufbau einer Jungschar-Arbeit sind „Familiensache“.

Auch wenn das Heimweh nach 18 Jahren in ihrer alten Kirchengemeinde Derschlag noch groß ist, haben sich die Kräuters inzwischen eingelebt, langsam wird der saarländische Dialekt verständlicher. Als Highlight empfinden sie die ökumenischen Begegnungen in der Kreisstadt. „Es läuft so viel und die Ökumene ist von großer Herzlichkeit geprägt“, freut sich Ulrich Kräuter. Jetzt wollen sie sich erst einmal Zeit nehmen, um die Gemeinde mit ihren Menschen kennenzulernen. Kein Angebot zum „Aufstülpen“ also, sondern sehen, wo Bedarf und Wünsche sind.

Zwei Prozesse wollen sie aber auf jeden Fall angehen: Da sind zum einen die Strukturveränderungen im Kirchenkreis Saar-Ost, in die sie hineingerutscht sind, und die sie aktiv mitgestalten wollen. Vor allem aber ist ihnen die Bewahrung der Schöpfung, sprich Nachhaltigkeit und Umweltschutz, ein großes Anliegen, das sie in den Blick nehmen wollen.

„Ich bin über die Weltladenarbeit zum Theologiestudium gekommen“, erzählt Gabriele Kräuter. Beiden ist insbesondere der gesellschaftlich-politische Auftrag des Evangeliums wichtig. Ihr Mann Ulrich als Spross einer Familie aus zwei Montanregionen – die Mutter aus dem Ruhrpott, der Vater gebürtig aus Völklingen-Fürstenhausen – habe durchaus Verständnis für Vorbehalten vor einer energischen, aber notwendigen industriellen Wende. „Da wird viel Überzeugungskraft zu investieren sein“, hat er den Eindruck. Eine Aufgabe, die er gemeinsam mit seiner Frau angehen möchte.

In ihrer früheren Gemeinde hätten sie sich am Klimafasten beteiligt, auch in St. Wendel könnte sie sich ökologische Aktionen und Angebote vorstellen. Im Garten stehen auch schon die familieneigenen Hochbeete. So ist das Schild an der Tür des Pfarrhauses nicht nur Name, sondern auch Programm des neuen Pfarrerehepaars.

 

Info:

Gabriele und Ulrich Kräuter werden in einem Gottesdienst am 1. Advent, 28. November, um 14 Uhr, in der Evangelischen Stadtkirche St. Wendel (Beethovenstraße 1) durch Superintendent Markus Karsch in ihr Amt eingeführt. Aufgrund der begrenzten Anzahl Plätze ist eine Voranmeldung nötig, Tel. 06851-2500 (Gemeindebüro) oder online über das Reservierungstool: https://evkgstwendel.church-events.de/.





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