Kirchenmitgliedsstatistik 2025 im Kirchenkreis An der Saar: Demografischer Wandel als Herausforderung
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die kirchliche Statistik der Mitglieder und Amtshandlungen für das Jahr 2025 veröffentlicht. Zu den Entwicklungen im kirchlichen Saarland:
Deutlich weniger Kirchenaustritte
Die aktiven Austritte aus der Evangelischen Kirche im Saarland sind rückläufig. Die Austrittszahlen im Kirchenkreis An der Saar sanken im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 10 Prozent, liegen aber mit rund 1.900 Austritten weiterhin auf hohem Niveau. Bundesweit blieb die Zahl der Kirchenaustritte auf dem Niveau des Vorjahres.
„Die sinkenden Austrittzahlen geben uns Anlass zur Zuversicht“, bewertet Pfarrer Christian Weyer, Vorsitzender des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises An der Saar, die jüngste Kirchenmitgliedsstatistik. In den vergangenen Jahren seien Maßnahmen angestoßen worden, um Kirche für andere Zielgruppen als die klassischen Gottesdienstbesucherinnen und
-besucher wieder attraktiver zu machen. „Wir befinden uns am Anfang eines Weges, den wir weiter gehen wollen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und klarer zu kommunizieren, wie jeder Einzelne und die Gesellschaft von einer Kirchenmitgliedschaft profitieren können.“
Mitgliedszahlen insgesamt im Bundesdurchschnitt gesunken
Unterm Strich sind die Mitgliedszahlen der evangelischen Kirche auch im Saarland weiter sinkend. So waren zum Jahreswechsel 2025/26 noch rund 106.000 Menschen Mitglied einer evangelischen Kirchengemeinde im Kirchenkreis An der Saar. Der Saar-Kirchenkreis deckt ungefähr vier Fünftel der Fläche des Saarlandes ab. Hinzu kommen etwa 5.600 Gemeindeglieder in den saarländischen Gemeinden der Kirchenkreise Obere Nahe bzw. Trier im Nordsaarland, die ebenfalls zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehören. Mit knapp 3,5 Prozent Verlust liegt der rheinische Teil des Saarlands damit nur knapp über dem Bundesschnitt (minus 3,2 Prozent).
Weitere Protestantinnen und Protestanten leben in den Gemeinden im Saarpfalz-Kreis und im Ostertal, die zur Evangelischen Kirche der Pfalz gehören.
Demographischer Wandel: mehr Bestattungen, etwas weniger Taufen
Der Mitgliederschwund wird insbesondere durch den demografischen Wandel begünstigt. So waren die Zahlen der Taufen und Kircheneintritte im vergangenen Jahr leicht rückläufig, gleichzeitig wurden mehr Menschen kirchlich bestattet. In Zahlen bedeutet das: Einem Verlust von 3.500 Kirchenmitgliedern durch Trauerfälle und Austritte stand ein Zugewinn von 700 Aufnahmen durch Taufen und Eintritte gegenüber.
„Es kommt nur ein Fünftel von dem nach, was wir an Kirchenmitgliedern im Jahr verlieren“, fasst Weyer die Bilanz zusammen. Angesichts sinkender Geburtenzahlen und einer älter werdenden Bevölkerung im Saarland sei keine Umkehr dieser Entwicklung zu erwarten.
„Der demographische Wandel bereitet uns große Sorgen, da wir keinen Einfluss auf ihn haben“, sagt Weyer. Maßnahmen würden ergriffen, um Menschen durch zielgruppenorientierte Angebote in der Kirche zu halten, aber „wenn die Bevölkerung generell kleiner wird, spiegelt sich das natürlich auch in den Kirchen wider“, so Weyer.
Erwachsenentaufe im Saarland Randerscheinung – Bedeutung religiöser Unterricht
Während in Deutschland die Taufe von Erwachsenen an Bedeutung gewinnt – im Jahr 2025 jede zehnte Taufe bundesweit – lässt sich ein vergleichbarer Trend für das Saarland derzeit nicht beobachten. Im Kirchenkreis An der Saar wurden im vergangenen Jahr lediglich 16 Personen getauft, die älter als 14 Jahre waren.
In Zeiten, in denen weniger Kinder und Jugendliche im Elternhaus in Kontakt mit Religion und Kirche kommen, gewinne der Kirchliche Unterricht neben dem schulischen Religionsunterricht einmal mehr an Bedeutung. „Wir bekommen immer wieder mit, wie ein guter Konfi-Unterricht positive Erfahrungen fürs Leben vermittelt“, betont Weyer. Der schulische Religionsunterricht biete darüber hinaus die Möglichkeit, „über Leben und Glauben“ ins Gespräch zu kommen und sinnstiftende Fragen zu stellen, die in der Schule sonst selten Platz fänden.
Der Kirchenkreis An der Saar ist zum 1. Januar 2026 aus dem Zusammenschluss der bisherigen Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West entstanden. Er umfasst weite Teile des Saarlands mit Ausnahme des Saarpfalz-Kreises, des Ostertals sowie einzelner Gemeinden im nördlichen Landkreis St. Wendel. Mit rund 106.000 Gemeindegliedern in 24 Kirchengemeinden (davon fünf Gesamtkirchengemeinden) ist er der drittgrößte Kirchenkreis in der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Sitz der Superintendentur ist Saarbrücken. Bis zur Wahl des künftigen hauptamtlichen Superintendenten Ende Oktober 2026 wird der Kirchenkreis von einem Bevollmächtigtenausschuss unter dem Vorsitz von Pfarrer Christian Weyer geleitet.



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